Mittwoch, 6. April 2016

ESDT - Elbsandstein-Dogtrekking 2016.

Weitere Infos unter: Hundwegsam.

Samstagfrüh, 3:10 Uhr, Kirnitzschtal, Sachsen. 
Der Schlaf möchte nicht mehr kommen. Ich liege seit 4 Stunden im Bett und döse immer nur kurz weg. Ich möchte schlafen, aber mein Bauch kribbelt zu sehr. Vorfreude. Von hinten drückt der Hound seine Pfoten in meinen Rücken und brummelt etwas in Herrchens Bettdecke. Vor mir liegt die Wölfin – auch sie schläft nicht tief, denn sie spürt meine Unruhe. In 15 Minuten wird der Wecker klingeln. Da kann ich auch genauso gut jetzt schon aufstehen. Die Fußbodenheizung im Bad unseres kleinen Ferienbungalows beschert mir einen wohlig warmen Start in den Tag. Heute werden Hannah und ich im Rahmen der Elbsandstein-Dogtrekking-Veranstaltung den 45km langen Doghike mit 1900 Höhenmetern wandern. Wir haben uns seit Dezember mit Wandertouren, längeren Dauerläufen und sogar Treppentraining darauf vorbereitet. Ich habe trotzdem Bedenken, ob wir das heil schaffen werden. Bei uns im Ruhrpott sind nennenswerte Höhenmeter schließlich Mangelware…

Hannah bekommt 2/3 ihres TroFu-Frühstücks eingeweicht zu Fressen. Sie soll die bevorstehende Anstrengung nicht mit prall gefülltem Bauch meistern müssen – aber zu wenig Futter möchte ich ihr auch nicht geben, denn sie wird die Energie brauchen. Genauso wie ich. Obwohl ich so früh am Tag gar nichts essen mag, zwinge ich mir ein Brot mit Nutoka hinein.
Den Rucksack habe ich bereits Zuhause in aller Ruhe systematisch gepackt. Die Pflichtausrüstung (Hundebooties, Erste-Hilfe-Set, Kompass, Hundefaltnapf, 1 Liter Wasser für den Hund, 1 Liter für Frauchen, Stirnlampe, Ersatzbatterien, Beleg unserer Hundehaftpflichtversicherung...) ist drin. Schwere Sachen habe ich nah am Rücken und möglichst weit unten im Hauptfach verstaut, so wie es sich bei unseren Trekkingurlauben bereits bewährt hat. Taschentücher, ein Energieriegel und andere Kleinigkeiten, die ich sofort griffbereit haben möchte, sind in der Bauchtasche verstaut, die ich von René ausleihen durfte. Außerdem habe ich neben Regenbekleidung, Schmerztabletten und wenigen kleinen Snacks noch mehrere Schnitten selbstgemachtes Bananenbrot eingepackt, die mein Hauptenergielieferant für heute sein sollen. Ich muss nur noch das Notfall-Motivationsleckerli für Hannah (Hundewurst) einpacken und Iso-Pulver in eine meiner 0,5l Wasserflaschen füllen. Mein Rucksack, ein normaler Daypack der mich sonst zur Uni begleitet, wiegt nun etwa 6kg. Die echten Cracks gehen mit 2 bis 3kg und einem Ultraleichtbackpack auf den Trail, hab ich gelesen. Da ich aber nicht plane zwischendurch zu Joggen, sollte es auch mit dem Mehrgewicht klappen. Schnell noch vorsorglich Voltaren auf das rechte Hüftgelenk schmieren, das hatte sich nämlich bei den Trainingstouren ab und an mal gemeldet... Trailrunningschuhe an, Hut auf, Stirnlampe drüberziehen, los geht´s.


René lässt es sich nicht nehmen, sich auch aus dem Bett zu quälen um „seine Mädels“ die 800m bis zum Campingplatz Ostrauer Mühle mit dem Auto zu fahren. Einmal fest Drücken, Knutsch, viel Glück und viel Spaß! Dann fährt er zurück zum Bungalow und wieder in die Heia - und ich tapse mit Hannah über den dunklen Campingplatz zum Start. In meinem Kopf gehe ich nochmal alle Infos durch, die wir gestern bei der Streckenbesprechung zusammen mit unseren Wanderkarten (drei DIN A4-Blätter mit Kartenauszügen, auf denen die zu erwandernde Strecke, mehrere Checkpoints und mögliche Abkürzungen farbig markiert abgebildet sind) an die Hand bekommen haben. Ich hoffe, ich habe keine entscheidende Information verpasst...


Die offizielle Startzeit für den Doghike ist auf 5:30 Uhr ausgeschrieben, man darf aber nach eigenem Ermessen früher starten. Ein paar Teilnehmer des Dogtrekkings, der Hauptdisziplin des Events (77km, 2800 Höhenmeter), hatten gestern bei der Vorbesprechung bereits erwähnt, dass sie gegen 3 Uhr loslaufen würden. Außer Hannah und mir ist weit und breit kein anderes Team in Sichtweite. Am Start wartet Caro, eine der beiden Ausrichterinnen des ESDT, eingemummelt in einen dicken Schlafsack und mit einem Laptop auf dem Schoß. Sie notiert unsere Startzeit: 4:38 Uhr. Ich unterschreibe noch schnell den Haftungsausschluss – und dann schickt Caro uns mit besten Wünschen ins Dunkle.


Der Weg führt langsam aufwärts und ist völlig verwurzelt. Gut, dass in meiner Stirnlampe frische Batterien drin sind. Ich brauche jetzt volle Leuchtkraft. Denn nur wenige hundert Meter nach Verlassen des Campingplatzes beginnt der Flößersteig. An seinem Beginn warnt bereits ein Schild: „Schwierig“. Ja, wir müssen ein bisschen klettern. Hannah zögert nicht, geht beherzt vorwärts und findet immer den sichersten Weg. Steine hochklettern, Steine runterklettern, ein kurzes Stück gerade gehen, dann wieder klettern oder sich an Ketten in der Steinwand entlang hangeln. Komme ich nicht schnell genug hinter Hannah her, reicht ein „Laaaangsam“ und meine Hündin dreht sich um und wartet auf mich. Die Steine sind teilweise nass und glatt. Zweimal ist der Abstieg so steil, dass ich lieber vorausgehe und die oben abgesetzte Wölfin herunterhebe.
Von hinten nähert sich ein Licht. Wir werden von einem flotten Hund-Mensch-Team überholt, das routiniert über die Steine hüpft und uns im Vorbeiziehen lieb grüßt. Bevor dieses Team wieder in der Dunkelheit verschwindet, gibt Hannah unvermittelt Gas. Sie will dranbleiben. In der Gruppe fühlt sie sich sicher und stark, so war das schon immer. Ich gebe mir Mühe ihr Tempo mitzuhalten. An der nächsten Kreuzung schließen wir wieder zu dem Team auf, das Frauchen schaut gerade konzentriert auf die Karte – und so kommen wir ins Gespräch. Die sympathische Tanja Musil und ihre freundliche Hündin Bibi sind aus Österreich angereist, wandern die 77km-Strecke des ESDT und bringen bereits viel Dogtrekkingerfahrung mit. Hannah und ich begleiten Tanja und Bibi ein ordentliches Stück des Weges. Wir kommen gut voran.

Und dann kommen sie: Die Treppen! Unzählige. Aus Holz, aus Metall, aus Stein. Und alle führen erst einmal nur aufwärts. Wir sammeln die ersten, ernsthaften Höhenmeter. Es geht hinauf zur Idagrotte. Ich bin heilfroh, dass ich nicht die schweren Wanderschuhe trage. Trotzdem beginnt meine Beinmuskulatur bereits allmählich zu übersäuern. Wir können in der Morgendämmerung wunderschöne Ausblicke über die sächsische Schweiz erhaschen – und einen tollen Sonnenaufgang beobachten.




Es wird nun schnell warm und wir packen unsere Jacken in die Rucksäcke und wandern einfach in langärmligen Oberteilen weiter. Oben an der Idagrotte angekommen, schauen wir uns nach dem ersten Checkpoint um. Hinter einem Wegweiser findet Tanja das, wonach wir Ausschau halten: Einen kleinen Motivstanzer, mit dessen Notensymbol wir unsere Wanderkarten stanzen. Als Beweis, dass wir hier waren. 


Für den Doghike gilt es 5 dieser Motivstanzer an den markierten Checkpoints entlang der Strecke zu finden. Tanja muss am Ende des Dogtrekkings sogar doppelt so viele Stanzungen vorweisen können.
Wir wandern weiter. Die Strecke ist in jeder Hinsicht abwechslungsreich. Einmal passen wir nicht richtig auf und biegen falsch ab. Die Hunde springen über ein paar schmale Schluchten und wir heben sie einen grenzwertigen Felsvorsprung herunter – dann fällt uns eine Markierung auf: Eine schwarze Pfeilspitze auf weißem Quadrat. Wir sind versehentlich auf einen schweren Klettersteig geraten. Schnell zurück, denn hier geht es für uns nicht weiter. 


Der markierte Weg führt uns hinunter in Richtung Schmilka, dann wieder hoch zur Kipphorn-Aussicht. Dann geht es laaaange geradeaus bis wir am Zeughaus auskommen. 


Hier, bei knapp über 20 zurückgelegten Kilometern trennen sich die Wege von Tanja und mir. Die Dogtrekking-Route führt die Teilnehmer noch über 2 zusätzliche DIN A4 Karten weiter weg, während mein Doghike bald an seinen Scheitelpunkt kommen wird. Hannah und ich sind wieder allein. Sie wirft  mir zwischendurch immer Blicke zu, so als wollte sie sich vergewissern, ob alles in Ordnung ist. Ich lächle sie an. Wir sind ein gutes Team. Meine Laune ist ausgesprochen gut, mir gefällt die außergewöhnliche Landschaft durch die wir uns bewegen. Das Wetter ist traumhaft. So hatte ich mir unsere Teilnahme am Doghike ausgemalt. Ich fühle: Das ist mein Platz im Leben. Nur die Orientierung auf der Karte fällt mir nicht leicht. Ich habe die Blätter die ganze Zeit in der Hand, versichere mich immer wieder wo wir uns gerade befinden und zähle penibel alle abgehenden Wege. Trotzdem verpasse ich zweimal die richtigen Abzweigungen, merke aber beide Male ganz schnell, dass ich auf den Holzweg geraten bin. Merke: Wenn auf einmal absolut gar keine Wanderwegemarkierungen mehr an den Bäumen zu finden sind, dann bisse falsch.


Ich sammle meine vierte Motivstanzung – ein kleiner Dinosaurier. Bislang haben Hannah und ich nur eine kurze Pause von 10 Minuten eingelegt, in der Hannah den Rest ihres TroFu-Frühstücks und eine große Hand Hundewurst in Wasser bekommen hat. 


Um 12:39 Uhr schicke ich René eine SMS – wir haben die Buschmühle erreicht, von hier aus sind es nur noch 15 Wanderkilometer bis zum Campingplatz. Ich bin beflügelt, hätte nie gedacht, dass die Wölfin und ich so straff vorwärts kommen würden.


So vergeht eine weitere Wanderstunde. Weiter geht es, wieder zurück in Richtung Zeughaus. Während ich an einem Stein am Wegesrand meine Schuhe und Socken kurz ausziehe, um sie von Tannennadeln zu befreien, wühlt die kleine Energiesparlampe sich ein Loch in den Waldboden, kringelt sich in der Sonne zum Husky-Donut zusammen und macht die Augen zu. 


Ok, diesen Wink mit dem Zaunpfahl verstehe ich. Wir machen Pause. Hannah legt einen Powernap ein und ich lüfte meine Füße, die immer noch frei von Blasen sind und denen es auch sonst erstaunlich gut geht. Nach etwa 20 Minuten brechen wir wieder auf.
Und dann… irgendwo zwischen Bärenhorn und Heringsloch wähle ich einen falschen Weg. Leider bin ich noch lange überzeugt davon, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Und so bewegen wir uns beständig bergab und bergab... Bis es mir irgendwann wie ein Schock unter die Haut fährt: Wir sind irgendwie falsch. Und zwar völlig falsch. Die Wanderwege haben sich mittlerweile mit anderen Wochenendausflüglern gefüllt. Ich frage einige Vorbeikommende um Hilfe. „Haben Sie andere Leute wie mich gesehen? Mit Hunden in Geschirren am Bauchgurt?“ Nein, haben sie nicht. Oh, bitte nicht... Ein Mann wirft einen Blick auf meine Karte. Wenn ich zur Kreuzung Lehnsteig/Reitsteig möchte, muss ich leider den ganzen Weg wieder hoch, sagt er. Ich sacke innerlich kurz zusammen. Frustration. Aber es hilft nichts, wir müssen da also wieder hoch. Auf, auf, hinauf. Als auf einem Wegschild die Heilige Stiege verzeichnet ist, weiß ich, dass wir wieder in der richtigen Richtung unterwegs sind. Allerdings hat meine Erschöpfung nun einen kritischen Punkt erreicht.  
Plötzlich höre ich von hinten den Ruf: „Judith!“ Erstaunt drehe ich mich um und erkenne mit Freude ein bekanntes Gesicht. Renate Rastu Rasmus schließt zu mir auf, ihre Hündin Lotta trabt munter vor ihr her. Hinter ihr erkenne ich Uwe, der den Pudel-Mix-Rüden Konrad bei sich hat. Es sind noch etwa 9km bis zum Ziel. Ich frage die Beiden, ob ich sie für den Rest des Weges begleiten darf. Meine eigene Konzentration reicht nur noch dafür aus, um mich potenziell noch ein paar Mal heillos auf den letzten Kilometern zu verfransen… Aber das möchte ich Hannah nicht antun. Man merkt der Wölfin mittlerweile an, dass sie genug hat und nun ihre Ruhe haben möchte. Wir haben das große Glück, dass Renate und Uwe (der sich schnell als souveräner Kartenleser entpuppt) damit einverstanden sind uns ins Schlepptau zu nehmen. Von diesem Moment an verschwende ich keinen Gedanken mehr an Pace oder Zielzeit. Es ist so erholsam und erleichternd nur „Mitläufer“ zu sein. Die lockeren Gespräche mit Renate lenken mich von meiner Müdigkeit und der allmählich zwickenden rechten Hüfte ab.


Es geht nun hauptsächlich bergab. Wir müssen noch zahlreiche, steile Treppen bewältigen. Die meisten davon bestehen aus Metallgittern. Hannah bleibt einmal bei einem Abstieg in einem der Gitter mit einer Kralle hängen und jammert laut auf. Aber es ist glücklicherweise nichts passiert. Sie hat sich nur erschrocken. 


Wir ergattern noch ein paar Blicke auf die beeindruckenden Schrammsteine, die nun rechts von uns in der Nachmittagssonne thronen. Am letzten Checkpoint finden wir den versteckten Motivstanzer nicht, halten aber mit dem Fotoapparat fest, dass wir tatsächlich vor Ort waren.
Endlich entdecken wir das erste Schild mit der Aufschrift „Ostrauer Mühle“. Jetzt ist es nicht mehr weit. Ich freue mich auf René, auf eine heiße Dusche und darauf, alle Viere von mir zu strecken. Hunger hab ich auch. Ich hätte mehr von dem Bananenbrot essen sollen…
Sobald wir in Sichtweite des Ziels sind, ertönen ein paar Rufe: „Da kommen welche!“ Ein paar Fotografen versammeln sich am Zugang zum Campingplatz. Als Hannah ihr Herrchen erkennt, zieht sie mit aller Kraft den Berg hinunter. Mir bleibt nichts anderes übrig als in langsames Joggen zu verfallen. 


Wo nimmt die Wölfin bloß die Kraft her, sich jetzt noch wie Bolle über dieses Wiedersehen zu freuen? Wir werden von den bereits angekommenen Teilnehmern mit anerkennendem Klatschen begrüßt. Ein schönes Gefühl, in all die lächelnden Gesichter zu schauen. Meine Gleichgesinnten. Jedes Team, das hier im Ziel ankommt, hat gewonnen. Es hat Eindrücke, Erkenntnisse, Vertrauen und Verbundenheit gewonnen. Manch einer hat auf dem Weg sicher auch gegen den inneren Schweinehund gewonnen, denke ich. Ich bin müde, aber gut gelaunt und lege Caro meine gesammelten Stanzungen und das Foto vom letzten Checkpoint vor. Im Gegenzug erhalte ich das Finisher-Shirt und eine Geschenk-Tüte.


Am Ende sind Hannah und ich auf 51 oder 52 Gesamtkilometer und zweifellos über 2000 Höhenmeter gekommen und waren nach 13 Stunden und 12 Minuten im Ziel. So ein Erlebnis ist nicht in Worte zu fassen. Ich bin vor allem sehr, sehr stolz auf meine kleine Hannahpopannah. Während ich immer eine ungefähre Vorstellung davon hatte, wie viele Kilometer wir noch gehen müssen, hatte sie ja keine Ahnung, wie weit sie noch mit Frauchen unterwegs sein würde. Und trotzdem ist sie tapfer weitergetippelt und hat alle Hindernisse genommen ohne zu Murren. Danke, Hannah, dass du jeden Quatsch mit mir mitmachst.

Ein besonderes Danke geht an Tanja Musil, mein Orientierungslämpchen in der Dunkelheit des frühen Morgens. Und ein großes Dankeschön an Renate und Uwe, die Hannah und mich auf den letzten Kilometern kompetent „heimnavigiert“ haben. Vor dem nächsten Doghike werde ich meine Kartenlesekompetenz definitiv stärken und hoffe, dass ich mich irgendwann mal revanchieren und jemanden heil heimbringen kann.

Der tiefste Dank ist für meinen Soldaten und größten Schatz reserviert. Er hat eine 1200km Fahrt, frühes Aufstehen, langes Warten und sogar ein bisschen Frieren auf sich genommen, nur um „seinen Mädels“ an diesem Wochenende beizustehen. Das kann ich ihm nicht hoch genug anrechnen. Du bist der Hammer, René!

Danke an alle, die dieses Wochenende unvergesslich gemacht haben!

Am Sonntagvormittag probieren sich auch Herrchen und Hound nochmal zum Spaß an einem kurzen Stück des Flößersteigs.
Unser Iorek besitzt vielleicht nicht Hannahs Leichtfüßigkeit, aber auch er stellt sich furchtlos jeder Herausforderung. 

Montag, 27. Oktober 2014

Im Trainingscamp mit canicross-outdoorsports!

Vom Hampelfrauen, Hampelmännern und denen, die in den Seilen hingen.

Ein Bericht über das Trainingswochenende mit unserer canicross-outdoorsports Truppe, vom 24. bis 26. Oktober 2014 in der Eifel.

Unser Trainer Ingo hatte zu einem intensiven Vorbereitungswochenende für die VDSV DM in Bielefeld-Senne geladen – und sie kamen in Scharen. Das Ferienhaus Eifelwind war bis unter das Dach gefüllt mit zweibeinigen und vierbeinigen Freunden der Laufgruppe Nettetal.
Während der Freitag noch unter dem Stern der Entspannung stand, alle Teams in Ruhe ankommen und Zimmer beziehen und die Hunde sich „indoor“ aneinander gewöhnen konnten, ging es am Samstag mit unserem sportlichen Programm los.  

Der Samstag – Im Zeichen des Ganzkörpertrainings.

Es ging natürlich thematisch in erster Linie darum, den Status Quo und die Ausbaufähigkeit eines jeden Teams nochmal genau zu benennen. Unser Samstagsplan sah hierfür sowohl einen V-max-Testlauf mit vorherigem WarmUp am Berg, als auch die Teilnahme an einem geheimnisvollen Hindernislauf vor, unter dem sich die meisten unserer treuen Laufseelen erst einmal gar nichts Konkretes vorstellen konnten.
Nun kann man allein über den Begriff „Hindernis“ natürlich schon unterschiedlicher Meinung sein, aber alle TeilnehmerInnen dieses Trainingswochenendes hatten sicherlich nicht damit gerechnet so „in den Seilen zu hängen“ oder „Mud-Limbo mit Hampelmann“ zu absolvieren – aber wir wurden an einem Ort namens „Woodland“ eines Besseren belehrt.  


Ein fest installierter Parcours mit mehr als zwanzig Hindernissen sollte bewältigt werden. Das hörte sich erst einmal simpel an, aber bei genauerer Inaugenscheinnahme der hölzernen Hindernisstationen, schluckte der Eine oder die Andere bereits. Wir standen mitten in einem Eldorado für Strong-Man-Runner! Hier kann man an anderen Tagen auch die Polizei und die Bundeswehr trainieren sehen. Schluck. Doch bevor jemand sagen konnte „oh nee, das ist nichts für m…“ ging es schon los.
Zuerst bestand die Aufgabe darin, mehrere Steilwände unterschiedlicher Bauweise zu überwinden. Über die erste Steilwand konnten wir alle noch problemlos aus eigener Kraft klettern – danach war für den Rest des Parcours immer wieder Teamwork angesagt. Da wurden Popos nach oben geschoben, Beine zurechtgerückt, zu sehr schaukelnde Balken gesichert und es wurde mehrfach aktive Steighilfe geleistet. Alles unter den prüfenden Blicken und der genauen Anleitung von zwei Woodland-Spezialtrainern, die unsere Truppe fachgerecht über die Hindernisanlage geleiteten.
Eines der Hindernis war beispielsweise eine glitschige Holzsteilwand mit zwei schmalen, horizontalen Griffrillen, Höhe etwa 4m. Zu Zweit ließ sich diese Aufgabe ganz einfach bewältigen. Ran an die erste Griffrille, rechter Fuß auf die Griffrille (bei Bedarf wurde von unten nachgeschoben), nach oben wuchten (den ganzen Körper natürlich) und dann mit Schwung an die zweite Griffrille, dort der gleiche Bewegungsablauf, schwups ist man oben, hält sich mit dem Oberkörper nah am Hindernis und kann auf der anderen Seite gemächlich runter klettern. Prima, kein Problem! Alle kamen durch.




Dann erreichten wir einen 20cm breiten Balken über einem Lehmwasserloch. Balancieren – ok, kein Problem!!! ABER: Laut Anweisung des Boot-Camp-Direktors war das noch nicht die vollständige Übung. Für die musste man nämlich erst über den Balken, danach durch das Wasserloch und dann an einer 2m hohen, lehmig-matschigen Steilwand wieder aus dem Matschpampe-Loch herauskommen! Oha, da war in der Tat erst einmal Mut aufzubringen. Tief durchatmen, in das hüfthohe, kalte Lehmwasserloch rein hüpfen, dann durchwaten und sich auf der anderen Seite von Helfern ‚herausziehen‘ lassen. Jeder kann sich im Geiste ausmalen, wie wir nach dieser Übung aussahen...



Weiter zum nächsten Holzelement. Das einfach war – laut Boot-Camp-Direktor! Bloß nicht Nachdenken, sondern die zwei Balken hochrobben, hochkriechen, hochhangeln, wie man möchte! Jede/r mochte anders, aber alle kamen oben an.



Weiter ging es über Holzstangen an Drahtseilen, glitschigen Kletterwänden, die mal mit oder auch ohne Sprung erklommen werden sollten, hin zu einem Obendrüber-Untendrunter-Klettergerät, weiter über die Hängebalken (rauf und an der anderen Seite runter), an der freischwingenden Kletterleiter hoch...



... und wieder runter, dann zum Cube (eine Art Haus ohne Dach mit 2m hohen Wänden), rin in die Box auf der anderen Seite wieder raus, an die Hangelstangen (die ziemlich glitschig waren und an denen man immer wieder abrutschte – die Männer im Team konnten hier klar punkten)...




... und hin zur „Mud-Limbo“, wie wir sie getauft haben. Hier mussten wir unter mehreren Holzleisten hindurchkriechen, die nur schulterbreit vom grauen, muffig riechenden Lehmboden entfernt waren. Zwischen den einzelnen Hindernisleisten galt es, aufzustehen und 5x den Hampelmann zu hüpfen. Bei dieser Übung kann man gerne auch mal unter´m Hindernis steckenbleiben und der ‚Hampelmann‘ kann auf so glitschigem Boden hervorragend schiefgehen – aber alle kamen da irgendwie durch.


Die Technik der nächsten Hindernis-Überwindung (die sogenannte „Chicken-Roll“ um einen glatten, runden Holzmast, welcher waagerecht zwischen zwei Bäumen hängt) konnten nur unsere beiden Teamtrainer Ingo und Eric ohne Hilfestellung absolvieren. Liegt wahrscheinlich daran, dass die Herren beim Bund Wehrdienst geleistet haben und solche Übungen kannten? ;-) 

Die letzte Kletterstation der Woodland-Anlage hatte es nochmal in sich und war besonders kniffelig: Eine 5m hohe Steilwand, die nur mit Hilfe eines Taus erklommen werden sollte. Da den meisten von uns bereits die Arme vor Erschöpfung und vor Kälte zitterten, wagten sich nur die zwei zähesten Kameraden und eine Kameradin unserer Laufgemeinschaft an diese Herausforderung. Alle Drei haben die Aufgabe gemeistert und den Parcours somit für die Gruppe erfolgreich zu Ende geführt.

Auf dem Foto fehlen ein paar Gesichter, die sich in der Zwischenzeit schon um die Hunde und um warme Getränke gekümmert haben.
Nun: Nicht alle haben alles geschafft, aber alle haben überlebt. :-) Jeder von uns ist mit mehr oder weniger vielen und unterschiedlich großen blauen Flecken davongekommen und trägt aktuell einen Muskelkater herum (auch an Stellen, von denen man bislang meinte, dass es dort keine Muskeln gäbe…). Diese Schlammschlacht hat uns alles abverlangt – aber auch riesigen Spaß gemacht und jedem Einzelnen nochmal die Stellen des eigenen Körpers gezeigt, an denen man vielleicht nochmal das Krafttraining intensivieren kann. Und ganz nebenbei hat der Ausflug das eh schon starke Zusammengehörigkeitsgefühl unserer munteren Truppe nochmal gestärkt.

Der Sonntag – Im Zeichen der Gemeinschaft.

Der Sonntag bescherte uns bestes Laufwetter – kühl, trocken, klarer Himmel. Wir waren schon früh aus den Betten, um mit Hund und Pack ins nahegelegene Niederzier zu fahren. Dort war unsere gesamte Gruppe für die 5km-Strecke der Veranstaltung „Der Berg ruft“ gemeldet. Das gesamte Startgeld des Laufs, der vom Hundesportverein am Tagebau Hambach organisiert wurde, kommt dem caritativen Projekt „running for kids“ zu Gute. Eine tolle Sache, die wir auf diesem Wege gerne unterstützt haben. Die Veranstaltung war sowohl für Walker, als auch für Läufer mit und ohne Hund freigegeben. Innerhalb der Gruppe der Läufer mit Hund stellten unsere angereisten Teams die Mehrheit – der Lauf wurde also quasi unter ganz uns ausgemacht. ;-) Wir nutzten das familiäre Event dazu, unsere Wettkampfroutine zu erweitern, die Teambildung zu intensivieren (zwischen dem einzelnen Menschen und seinem caniden Laufpartner – oder auch zwischen vier Hündinnen und ihren drei Frauchen)... 


Fotograf: Markus Platzbecker 
... und die vom Vortag verhärteten Muskeln wieder zu lockern. Die Strecke führte uns in ständiger Steigung über etwa 2km und zum großen Teil über Schotterwege auf eine renaturierte Halde hinauf. Von dort ging es ebenso stetig wieder 2km bergab – ein klasse Schub für alle Teams. Den letzten Kilometer galt es auf einer ebenen, laaaangen Geraden bis zum Ziel zurückzulegen. Genug Platz für tolle Endspurts.  


Nadine Schmitz und Hound-Rüde Eddie. Fotoquelle: HSV Arnoldsweiler
Für Nadine und Leihgranate Eddie war es der erste gemeinsame Wettkampstart – in dieser Paarung sind sowohl Hund als auch Mensch bereits einzeln sehr laufstark. Dass die Beiden auch sonst auf einer Wellenlänge liegen, haben sie sofort mit einem soliden ersten Platz in der Gesamtwertung bewiesen. 16 Minuten auf knapp 5km! Tolle Leistung, ihr Zwei! Wir freuen uns mit euch!


Anita und Ingo. Fotograf: Markus Platzbecker 
Anita Horn und "Teilchenbeschleuniger" Balou. Fotoquelle: HSV Arnoldsweiler
Auf dem zweiten Platz landete Eddies Bruder Balou mit seiner sympathischen „Leihläuferin“ Anita Horn, die eine erfahrene Wettkampfläuferin ist, für den WDR arbeitet und in einer „Canicross-Selbstversuch-Mission“ unterwegs war. Ohne jegliche Vorerfahrung im Zughundesport einen so starken Hund wie Balou laufen zu können und direkt auf´s Treppchen zu kommen, zeugt von Potential und Mut und verdient Respekt. Klasse gemacht, Anita! Wir hoffen, dass wir dich bald wiedersehen werden und vielleicht sogar ein wenig mit dem Canicross-Virus infizieren konnten! ;-)

Nach diesem reich gefüllten Wochenende, bei dem neben den Aktivitätsphasen auch noch genug Raum für große und kleine Gesprächsrunden am Abendbrot- und am Wohnzimmertisch war, sind wir alle (ich hoffe, ich spreche da tatsächlich im Namen von allen) körperlich erschöpft aber innerlich motiviert und glücklich in unsere heimeligen Hundehütten zurückgekehrt. Bis es demnächst wieder heißt: canicross-outdoorsports on Tour!  

Senne kann kommen – wir sind bestens gerüstet!

Fotos vom Berglauf gibt es hier http://www.hundeverein-arnoldsweiler.de/seite97.html und in Kürze auch in unserer Online-Galerie: http://vgsimscpsr.magix.net/album
Dort findet ihr auch alle Bilder, die in Woodland entstanden sind.

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An dieser Stelle ein Danke für unsere Teamfreunde, die da gelaufen, gerobbt und geklettert sind, die geschwitzt, gelacht, sich mit Schlamm verschmiert und abends auf dem Sofa mit ‚Ponys‘ gekuschelt haben – es war einfach ein tolles Wochenende mit Euch.

Danke vor Allem auch an die „Herbergseltern“ Platzbecker für die tolle Unterkunft. Mirjam hat uns am Samstagabend mit dreierlei Nudelaufläufen verwöhnt (einmal für Veganer, einmal für Vegetarier, einmal mit Fleisch)! Das war nicht nur sehr lecker, sondern auch ein großer Aufwand, den du für uns betrieben hast und wir möchten dich hierfür nochmal besonders mit Lob und Dank überschütten!

Ein ganz ausdrückliches Dankeschön geht auch an Nadine Schmitz und Nicole Welsch, die unser Aktivprogram beim Mud-Run und auch beim Charity-Run initiiert und organisiert haben!

Und das ausnahmslos größte DANKE möchten wir unserem Trainer Ingo widmen! Ohne dich gäbe es kein Team Nettetal – wir alle verdanken dir kleine und große Trainingsfortschritte, viele ereignis- und erfahrungsreiche Tage und den Anschluss an eine sympathische Gemeinschaft, in der wir uns wohlfühlen können und bei der es an den richtigen Stellen nicht nur um Leistung geht. 

(Text gemeinschaftlich verfasst von Ulrike Esser & mir)

Mittwoch, 10. September 2014

Unterwegs auf dem südlichen Kungsleden in Schweden.




Unser Schweden-Trekking liegt hinter uns. Unseren Urlaubsbericht könnt ihr diesmal "extern" lesen, denn ich durfte völlig überraschend Gastautorin auf dem wundervollen Pfotenläufer-Blog sein, was mich natürlich riesig gefeut hat!


Ich möchte euch auch wärmstens die anderen Artikel ans Herz legen, die ihr auf dem Blog finden könnt! Viel Freude beim Lesen!

Eure Judith

Sonntag, 1. Juni 2014

Unterwegs mit Mach3.

Nun sind wir bereits seit einem halben Jahr im Canicrosstraining. Mein erster Trainingsplan ist bald durchgearbeitet. Ich merke, dass sich mein Körper ganz allmählich an die sportlichen Herausforderungen anpasst. Da der Trainingplan zunehmend anspruchsvoller wird, kann ich nicht behaupten, ich würde nicht ab und an noch einen deftigen Muskelkater mit mir herumtragen. Aber an guten Tagen schaffe ich Kilometerzeiten, von denen ich noch im Januar nicht zu träumen gewagt habe.
Auch in meiner mentalen Einstellung hat sich bereits etwas bewegt. Mittlerweile nimmt mein Gesicht vor jeder kleinen oder großen Steigung eine bockige Miene an und das kleine Männchen im Kopf flüstert: "So, und den Berg stampfst du jetzt in den Boden!" :-D Solche Momente erinnern mich daran, dass ich etwas aushalten, Hürden überwinden und mich durchaus auch mal durch Schmerz hindurchbeißen kann. Ich habe das Gefühl, dass diese Erfahrung mich auch außerhalb des Sports ein bisschen stärker macht. Ein unverhoffter Nebeneffekt - den ich dem Canicross-Sport zu verdanken habe.

Da sich unsere kleine Hannah zum Einen auch nach diesen ersten 6 Trainingsmonaten nicht immer verlässlich mit ihrer Rolle als Canicross-Zughund identifiziert und die zunehmend sommerlichen Temperaturen es ihr zum Anderen in ihrem Husky-Unterfell immer schwerer machen aktiv zu sein, kam ich vor Kurzem an den Punkt, dass ich gerne mal ein paar Lauferfahrungen mit einem anderen Hund sammeln wollte. Nicht um Hannah zu ersetzen - keiner kann sie jemals ersetzen -, sondern einfach aus dem Interesse heraus, zu erfahren wie es sich anfühlt, wenn man einen "echten" Zughund vor sich hat.
Und ich kann euch jetzt schon verraten: Der Unterschied ist enorm!

Hannah ist offenbar naturgemäß eher eine Rudel-Dauerläuferin als eine Solosprinterin. Diese Vermutung bestätigt sich für uns zunehmend. So ist sie eben, unsere Wölfin - und das ist auch völlig in Ordnung so. Wenn sie in der Stimmung ist, arbeitet sie ganz wunderbar und mit sichtlicher Freude. Dann läuft sie mit mir munter auf Zug jeden Berg hoch. Aber diese Stimmung ist eben nicht abrufbar. Und so wird jede Wettkampfteilnahme mit ihr zu einem Glücksspiel der Tagesstimmung. ;-) Das ist typisch für sie und passt zu ihrem eigenständigen Husky-Köpfchen.

Ingos Greyster-Rüde Eddie ist jetzt etwa 15 Monate alt - und mit seinen mittlerweile 40kg und seinem unglaublichen Vorwärtsdrang natürlich ein echtes Kontrastprogramm zu unserer Hündin mit ihren knapp über 18kg. Der erste Lauf mit ihm war anfangs von entsprechend viel mädchenhaftem Gequietsche meinerseits begleitet. :-D 40kg Hund vermögen meine eigenen 60kg problemlos in Bewegung zu versetzen - auch wenn ich das gerade vielleicht nicht will. Oder, na ja, wenn ich mich zumindest am Anfang und zum Üben nicht mit so hoher Geschwindigkeit vorwärts bewegen will. Aber "Üben" ist selbstverständlich kein gängiges Kommando für Eddie. ;-) Er ist eben schon ein Profi, wenn es um´s Ziehen geht, denn er wird täglich trainiert und ist einer der fittesten Turnschuhe im Revier.
Ich habe mich beim Loslaufen also erstmal darauf beschränkt, dafür zu sorgen, dass ich irgendwie in der Senkrechten bleibe, während Eddie mit unglaublicher und ungebremster Begeisterung vom Punkt weg vorwärts galoppiert ist und dabei einen (eigentlich viel zu großen) Teil meines Gewichts übernommen hat. Ich weiß ja mittlerweile, dass man den Hund in seiner Zugaufgabe "freigeben" muss und eher raumgreifende Sprintsprünge machen soll, um einerseits die eigene Kraft zu schonen und andererseits die Motivation des Hundes hoch zu halten. Aber Theorie und Praxis schienen auf den ersten Kilometern mit Eddie erstmal so wenig zusammen zu passen, wie Gewürzgurken und Schokoladeneis.
Ich war zum Glück nicht alleine unterwegs - R hat mich mit Balou begleitet. Das hat die Sache jetzt nicht direkt einfacher gemacht, denn die zwei Hundebrüder entwickeln zu Zweit nochmal eine ganz eigene Dynamik... ;-) Aber R hat sich auf den ersten 100 Metern mit bei Eddie ins Geschirr eingehakt und war somit bei den ersten Schritten mein wingman. Das hat mir Sicherheit gegeben. Und auch danach habe ich mich noch ab und an bei R in der Schulter festgekrallt, wenn ich bremsen wollte oder plötzlich sonstwie "Schiss inne Bux" hatte. Zu den frei werdenden Fliehkräften in Kurven (oder gar in engen Kehren!) finde ich hier erst gar keine Worte... ABER: Als ich mich dann nach etwas über 4km allmählich auf den völlig neuen Bewegungsablauf einlassen konnte und Eddie sein Tempo zusätzlich noch leicht nach unten regulierte... Da hat sich plötzlich das Grinsen auf mein Gesicht geschlichen. Aha, so fühlt sich Canicross tatsächlich an! Eine völlig neue Welt für mich. Und ich konnte die letzten 2km bis zum Auto dann sogar (trotz der nach wie vor bestehenden Anstrengung) richtig genießen. R genau neben mir, die beiden Hunde tempogleich und im Einklang vor uns. Großartig!

Die beiden Greysterbrüder laufen am Liebsten Schulter an Schulter.
Und weil dieser Lauf noch so angenehm in mir nachgeklungen hat, bin ich kurz darauf aus einer spontanen Laune heraus mit unserem Trainer und einigen anderen unserer Canicross-Jecken am 30. Mai zum Water Canicross in der Nähe von Amsterdam gefahren. Um dort mit Eddie, den ich insgeheim Mach3 getauft habe, zu starten. Eigentlich völlig verrückt. Nach nur einem Testlauf mit Mach3 bereits im Wettkampf an den Start zu gehen, erschien mir dann bei der Ankunft im Stadtwald Amsterdamse Bos auf einmal tatsächlich als echt blöde Idee. Aber manchmal braucht man eine Prise Verrücktheit und den Mut zum Experiment. Und plötzlich ging sowieso alles ganz schnell und schwups, stand ich in der Anmeldeschlange, der Trainer drückt mir den Hundepass in die Hand, ich sehe wie mir die Frau mit der Geldkassette lächelnd das Geld aus der Hand nimmt und die Daten von Eddie und mir notiert... - und schon bin ich für den 3km-Lauf angemeldet! Schockschwerenot.

Vor dem Start warten wir solange es geht, bis wir zur Startzone gehen. Ingo bleibt die ganze Zeit bei uns. Er sagt mir, dass ich mir keine Sorgen machen muss, weil Eddie ein echter Frauenversteher ist. Er beruhigt Eddie, der schon ganz ungeduldig ist und stark auf den Reiz der anderen, bereits startenden Hunde reagiert. Wir üben noch ein-, zweimal das Starten, indem Eddie und ich von einem Punkt aus auf Ingo zulaufen. Das alles nimmt mir meine Unsicherheit vor dem Start ein wenig.

Schon ist meine Startnummer dran, ich stehe an der Startlinie, Ingo ist nah bei uns. 3, 2, 1 - GO! Und plötzlich ist alles andere ausgeblendet, ich bin alleine auf der Wiese, vor mir ein enormer Hundekörper, der Geschwindigkeit aufnehmen möchte - und ich lehne mich rückwärts in den Canicross-Gurt und stehe voll auf der Bremse. Das freie, weite Feld auf dem die Startzone aufgebaut ist, erscheint mir gruselig. Kein Baum, an dem ich mich notfalls festhalten kann... Na ja, die Dinge die einem eben so durch den Kopf geistern, wenn man gerade einen ordentlichen Adrenalinschub erlebt. ;-)

Aber der Trainer kennt seinen Hund tatsächlich sehr genau. :-) Ich merke, nachdem Mach3 und ich die Startzone erstmal "tauziehend" hinter uns gelassen haben, dass Eddie sich ganz unmittelbar auf mich einstellt. Ich erwache aus meiner Starre, mache endlich größere Schritte, drücke mich bald fest vom Boden ab und finde auch endlich meine Stimme wieder. Eddie holt sich jetzt Rückmeldung bei mir ein, seine Ohren sind die ganze Zeit zu mir nach hinten gewendet, er reagiert auf meine Richtungsangaben und Geschwindigkeitskommandos und will es unbedingt richtig machen. Das erwärmt mir mein Herz. Jetzt gebe ich auch alles, um meinerseits für Eddie alles richtig zu machen. Es gibt viele Kurven zu bewältigen. Zwei Teams überholen uns. Wir überholen wiederum ein paar andere Teams. Auch das klappt prima.

Amsterdamse Bos hält viele breite und schmale Brücken für die Canicrosser bereit.

Wir müssen mehrere Brücken überqueren, manche aus Holz, manche aus Stein und Asphalt. Eddie hält vor der ersten Brücke eine Millisekunde inne, ich bestärke ihn nochmal schnell mit "ok, vor" - und er läuft ohne zu Zögern hinüber. Alle weiteren Brücken sind nun kein Thema mehr. Er bietet mir an, dass wir ein Team sind. Und das, obwohl er mich kaum kennt. Ein toller Hund. Nein, mehr als toll. Ich bin ein bisschen verliebt. :-)

Dann kommt das Highlight des Laufs: Die Wasserdurchquerung.

Fotografin: Pauline Zwaan (Dank je wel, mevrouw Zwaan!)

Auch hier gibt es kein Zögern, wir rennen einfach in die große Pfütze rein. Am Anfang kann Eddie noch durch´s Wasser waten, dann wird es zu tief und er beginnt zu schwimmen, etwa einen Meter von mir entfernt. Immer den anderen Hunden hinterher. Auf der Hälfte der Strecke merkt mein lieber Mach3, dass es wohl doch weiter zu Schwimmen gilt als er dachte - und er kommt ganz nah zu mir. Ich unterstütze ihn jetzt und halte ihn am Zuggeschirr an der Wasseroberfläche. (Später habe ich gelernt, dass es für uns beide energiesparender gewesen wäre, wenn ich einfach ganz hinten ins Zuggeschirr gegriffen hätte. Dadurch dass ich vorne ans Geschirr gegriffen und nach oben gezogen habe, ist Eddies Körper unter Wasser aus dem Gleichgewicht geraten, sein Po ist zu tief abgesunken, er hat angefangen wild mit den Vorderbeinen auf der Wasseroberfläche zu paddeln und ich musste viel von seinem Gewicht gegen den Wasserwiderstand vorwärtsschleppen. Doofer Fehler von mir. Entschuldige, Eddie.)

Nach dem Wasserteil, der auf dem letzten Drittel der Strecke lag, ging es noch über ein paar Brücken und um ein paar Kurven (nebenbei ein Lob an meine Salomon-Trailschuhe und Funktionssocken, aus denen das Wasser ganz schnell und prima abgelaufen ist, so dass ich nicht mit schweren Patschefüssen weiterlaufen musste) - und schon waren wir wieder zurück auf der großen Wiese, haben nochmal Gas gegeben und überquerten die Ziellinie! 3km ziehen manchmal einfach viel zu schnell an einem vorüber.

Fotograf: Johan Hollander (Hartelijk dank voor dat supermooi foto!)

Ich bin so froh, dass ich diesen Lauf gemacht habe. Danke, Ingo, dass du mir Eddie für die Strecke anvertraut hast! Ich bin einem Hund wie diesem natürlich läuferisch längst noch nicht gewachsen, vielleicht werde ich auch nie soweit sein. Aber es war eine ganz spezielle Erfahrung für mich, gerade weil ich nicht der laufstarke Part des Teams war und Eddie so bereitwillig für mich gearbeitet hat. Sowas habe ich noch nie zuvor erlebt. Abgerundet wurde dieser tolle Tag von einem schönen, gemeinsamen Picknick auf der Wiese des anliegenden Campingplatzes und prima Platzierungen all derer, die wir kennen und gern mögen. Im nächsten Jahr sind wir ganz bestimmt wieder mit dabei - dann hoffentlich auch mit R und Hannah, die bei diesem Ausflug leider nicht dabei sein konnten.

Danke für alles, Mach3, du alter Superhund! 





Montag, 19. Mai 2014

Run with the pack...

Wir sind aktuell viel auf Achse.

Am 03. und 04. Mai 2014 haben wir unseren ersten mehrtägigen Wettkampf besucht: Den VulCanicross am Hoherodskopf (Hessen). Die Veranstalter sind hier die Hessenhounds, der aktuell größte und am Besten strukturierte Canicross-Verein in Deutschland. Wer im nächsten Jahr daran teilnehmen möchte, wird alle erforderlichen Informationen innerhalb der entsprechenden Gruppe bei Facebook oder unter diesem Link finden: http://www.scv-hessenhounds.de/SCV-Hessenhounds/Unser_Rennen.html
Tipp: Auch Peter Hummel, aktives Hessenhound-Mitglied der ersten Stunde, hält alle CC-Interessierten auf seinem informativen Blog Pfotenläufer ebenfalls auf dem aktuellsten Stand - nicht nur in Sachen VulCanicross.

Unser Team von canicross-outdoorsports ist beinahe in vollständiger Besetzung am Hoherodskopf an den Start gegangen. Wir sind bereits freitags angereist und haben ein eigenes kleines Zeltlager errichtet - und auch das Gemeinschaftsbanner durfte nicht fehlen. ;-)


Es war ein sehr interessantes Wochenende, bei dem wir Neulinge sowohl auf als auch "neben" der Strecke viel dazugelernt haben. Ich konnte vielen Namen, die mir bei Facebook oder an anderer Stelle im Internet begegnet sind, endlich mal ein Gesicht zuordnen. Und es war auch etwas ganz Besonderes, all die Läufer zu treffen oder nur zu beobachten, die bereits Großes im Canicross erreicht haben - allen voran die Championess Tessa Philippaerts mit ihrem Ausnahmehund Yukon.

R hat seit Kurzem das große Glück, dass er Balou (einen der beiden Greysterrüden von unserem Canicross-Trainer) leihweise laufen darf. Die beiden Jungs haben vor ihrem ersten gemeinsamen Wettkampfstart beim VulCanicross schon mehrere Trainingsläufe miteinander absolviert und werden von Mal zu Mal ein eingespielteres Team. Ich finde es immer wieder auf´s Neue schön, die Zwei zusammen zu sehen.

Balou, Rs neuer Canicross-Partner, beim sonntäglichen CC-Lauftreff. Den Blick immer aufmerksam auf die Strecke gerichtet. :-)
Für R, Balou, Hannah und mich verlief das VulCanicross-Wochenende recht durchwachsen. Der agile Balou ist beim Jadgstart am Sonntag rückwärts aus Geschirr und Halsband gleichzeitig entwischt. Durch die Helfer in der Startzone konnte der "junge Wilde" aber schnell wieder ins Geschirr gestellt werden und die Zwei durften mit etwas Verspätung loslegen. Weil uns die Wettkampfroutine noch fehlt, ist R zudem am Samstag vor dem Start etwas in Zeitnot geraten und so hatte Balou nicht genügend Zeit, um sich nochmal rechtzeitig zu lösen - das hat er dann mitten auf der Strecke nachgeholt. ;-) Am Sonntag hat es dafür dann für die beiden Jungs auf dem Trail schon deutlich besser geklappt. René hatte richtig Spaß und konnte sich mit Balou sogar beim spontan vom Veranstalter hinzugefügten Staffellauf nochmal zusätzlich für das Team stark machen.

Team Balou/R. Eine super gelungene Momentaufnahme kurz nach dem Start am Sonntag. Vielen Dank an die liebe Annick Busl für dieses Foto!
Meine kleine Hannah ist samstags so unmotiviert gelaufen, dass ich ihr den Sonntagslauf nach reiflicher Überlegung am Ende erspart habe. Sie hat einen Spazierstart hingelegt (dabei üben wir das Starten regelmäßig und sie kann es soviel besser...) und ist auf den letzten 3 Kilometern nochmal völlig antriebslos geworden und sogar stehengeblieben. Ich habe ihr dann auch keinen Druck gemacht, denn ich kenne ja unseren Huskydickkopf - wenn sie nicht will, dann will sie nicht. ;-) Wir haben die Runde natürlich noch beendet und sind durch´s Ziel gekommen - aber eben in gemütlichem Tempo.

Die "unwilde Jagd" beim Zieleinlauf. Fotograf: Markus Platzbecker (Danke nochmal für die Bilder, Markus!)
Hannah einen Tag später nochmal über dieselbe Strecke schicken und die Sache durchpressen... Das wollte ich weder ihr noch mir antun. Es hätte nur unserem eh noch ausbaufähigem Vertrauensverhältnis geschadet. Natürlich war ich wirklich traurig darüber, dass ich am Sonntag nur Zuschauer sein konnte - gerade weil ich mich völlig fit und körperlich gut vorbereitet gefühlt habe. Aber der Hund geht vor. Und ich vertraue Hannah, dass sie ihre Gründe dafür hatte, sich zu verweigern.
Diese Wettkampfstrecke war in jedem Fall die schönste, die ich bislang laufen durfte!

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Unsere nächste Fahrt hat uns am 17. Mai nach Amerongen, also wieder in die Niederlande, geführt. Amerongen ist der zweite Veranstaltungsort des AAA-GrandPrix, zu dem ich ja bereits den Post über Spa/Belgien geschrieben habe. Hier ist aus unserem Familienrudel nur R mit seinem begnadeten Leihhund Balou an den Start gegangen. Hannah - die sich durch ihr Husky-Unterfell sehr früh hitzeanfällig zeigt und zudem auch ganz kurz zuvor eine gespaltene Daumenkralle gezogen bekommen hatte - und ich haben dem Spektakel nur staunend zugeschaut.
Die Veranstaltung fand bei 20 Grad statt. Das ist selbst für Hunde ohne jegliches Unterfell unter Belastung schon sehr warm und man muss sehr gut abschätzen, ob man seinem Hundepartner den Start noch zumuten kann. Balou hat sich völlig fit und mehr als arbeitswillig gezeigt. Zudem waren am Start, auf der Strecke und im Ziel mehrere Wassereimer und mit Wasser gefüllte Bademuscheln platziert, in denen sich die Hunde abkühlen konnten. Auch die Parkplätze und Stakeout-Möglichkeiten waren, sobald man sie einmal gefunden hatte, schön im Schatten gelegen. Viele lächelnde Gesichter. Es hat uns sehr, sehr gut gefallen. Danke, Olga Winkler für den Last-Minute-CheckIn! Und ein riesengroßes Danke geht wieder an unseren Ingo Babbel - Leihgranate Balou war 1A! Wir waren diesmal von Vornherein besser strukturiert bei der Sache: Balou hat bis 30 Minuten vor dem Start immer wieder kleine Portionen Wasser gereicht bekommen und wir haben zwei kleine Runden durch das Waldgelände mit ihm und Hannah gedreht, damit er sich rechtzeitig lösen kann. Hannah blieb dann während der Startphase im Auto, während ich René dabei unterstützt habe, Balou vor dem Start ruhig zu halten. Glücklicherweise war es hier gut möglich, den Hund erst sehr spät in den Vorstartbereich bringen - und Balou hat alles ganz toll mitgemacht und richtig schön für René gearbeitet. 


Fotograf: Naomi de Ronde
 (Thank you so much for this wonderful shot!)
Eine Möglichkeit, wie die Veranstalter von Canicross-Rennen gefährliche Stellen markieren. Hier geht es auf sehr unebenem Boden viel steiler bergab, als das Foto es widerspiegelt.
Es gab eine langgezogene, besonders gemeine Steigung auf der Strecke - mitten in der prallen Sonne und komplett auf Sandboden. 
Die lange, sandige Gerade. Die Teams mussten tatsächlich unter stetiger Steigung bis ganz hinten durchrennen.
Das war selbst für den eisernen Willen von unserem Greyster-Schützling eine echte Herausforderung. Nach dieser Schlüsselstelle hat R das Riesenbaby sofort in die bereitstehende Plantschmöglichkeit gelotst und ihm eine Pause "verschrieben" (freiwillig hört dieser kopfstarke Sporthund ja nicht auf zu arbeiten, solange er im Geschirr steht...), bevor es weiterging ins Ziel.

Einen tollen Eindruck vom Rennen liefert auch das folgende YouTube-Video: 



Als Ausklang/CoolDown des Wettkampfs und zum Abschluss des Tages sind wir mit beiden Hunden eine ausgiebige Runde spazieren gegangen. 


Zwei genießen den verdienten Feierabend.
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Neben den Wettkämpfen und unseren wöchentlichen Trainingeinheiten nehmen wir nach wie vor am sonntäglichen Lauftreff mit Ingo und den restlichen Canicrossies teil. Die Gemeinschaft verdient diesen Namen auch tatsächlich. Ich schätze, es ist einfach riesengroßes Glück, dass wir Teil einer so stimmigen Gruppe sein dürfen. Ohne euch, Leute, wären wir nur halb so enthusiastisch dabei!

Samstag, 15. März 2014

Wenn die Rookies nach Belgien zum Canicross-Grandprix fahren...

Die schönsten Neuigkeiten sind, dass R, Hannah und ich für das laufende Jahr tatsächlich noch ins Team unseres Canicross-Trainers aufgenommen wurden! Nachwuchsabteilung. Damit hatte ich absolut gar nicht gerechnet und die Überraschung und die Freude waren entsprechend groß. Das spornt mich persönlich nochmal mehr an, ordentlich im Training zu bleiben - und dem Vertrauensvorschuss von unserem Trainer auch wirklich gerecht zu werden. Auf diesem Weg möchte ich dir, Ingo, auch noch mal meinen besonderen Dank aussprechen, weil du uns so sehr unterstützt und uns zur Seite stehst!

Und eine weitere Neuigkeit ist, dass wir so wunderbar übermütig waren und einen Tag bei der Triple A Series bzw. dem CC Grand Prix AAA, mitgelaufen sind. :-D Der Auftakt der Serie fand in Spa, also in Belgien, statt und wir sind gemeinsam mit vielen lieben Freunden von unserem canicross outdoorsports-Lauftreff samt Mannschaftswagen dort angerückt.

Da Hannah in der Nacht vor dem Wettkampf nur wenig geschlafen hat, denn wir hatten zum ersten Mal seit ihrem Einzug bei uns Gäste zum Übernachten da, war sie von Vornherein nicht besonders fit.
Und zudem war ich ja diesmal eben nicht mit dem eigenen Auto vor Ort - Hannah ist also fast die ganze Zeit, von der Startnummervergabe morgens bis zum spät angesetzten Kurzdistanz-Start (2,6km) um 16 Uhr, an der Führleine bei mir gewesen und musste regelmäßig durch den Trubel der vielen Menschen und Hunde laufen.
All diese Eindrücke haben sie lange bevor wir starten mussten nochmal zusätzlich erschöpft.

Minipause im Mannschaftswagen. Kurz vor dem Start übermannt Hannah die Müdigkeit.
Noch wenige Sekunden bis zum Start... Der Mann in der roten Jacke ist Jean-Pierre Talbot, der Veranstalter des Rennens - und ehemaliger Tim-Darsteller aus dem Originalfilm "Tim und Struppi". Fotografin: Manuela Jansen.

Die Einzelstarts fanden im 30 Sekundentakt statt - und der Start selbst lag direkt am Anfang einer langgezogenen Steigung. Das hat es uns nochmal ein bisschen schwerer gemacht, in Schwung zu kommen.
Ich hab mich während des gesamten Laufs diesmal richtig fit und leistungsbereit gefühlt. Aber Hannah ist bereits gestartet ohne Zug auf die Jöringleine zu bringen. Und so haben wir für den ersten Kilometer etwas mehr als 7 Minuten gebraucht, eine Zeit die ich schon lange nicht mehr gesehen hab. Im zweiten Kilometer haben wir dann aber eine Pace von 5:05 geschafft. Das ist auch keine Glanzleistung, vor allem wenn man berücksichtigt, dass es hauptsächlich bergab ging - aber für einen erschöpften Hund ist es eine tapfere Rundenzeit, finde ich. Sie hat auf meine Anfeuerungsrufe reagiert und nochmal versucht für mich zu arbeiten. Mehr kann man sich von seinem Hund doch nicht wünschen. Hilfreich war hier auch, dass ein weiteres Team keine 10m vor uns konstant in unserem Tempo gelaufen ist. Das hat Hannah zusätzlich ein bisschen vorwärts gezogen.
Im Nachhinein hätte ich wohl besser auf unseren Trainer hören sollen - er hatte vorgeschlagen, dass ich am Sonntag mitkommen soll. Da gab es einen Massenstart. Und das Rennen in der Meute motiviert Hannah ja immer besonders. Zudem hätte sie ihre Müdigkeit dann bereits am Samstag ausschlafen können. Na ja, hinterher ist man immer schlauer.

Aber wir sind ins Ziel gekommen. Immerhin. Sogar mit einem Lächeln. :-)

Fotografin: Manuela Jansen

Die Strecke verlief über sehr steinigen Boden und man ist fast ausschließlich in Steigung oder im Gefälle gelaufen. Es gab ein paar rutschige Stellen mit Matsch und/oder Laub. Zweimal musste man einen Bachlauf überqueren, was mir persönlich viel Spaß gemacht hat - auch wenn´s nasse Füße gab. :-) Ein paar Hunde haben ihre Pfoten auf der Strecke verletzt und ich habe mehrere blutige Läuferbeine gesehen. Vielleicht war es also gar nicht so schlecht, dass Hannah kein höheres Tempo gegangen ist. Ich laufe ja schließlich aktuell in ganz normalen Laufschuhen und spare noch auf Trailrunningschuhe mit starker Profilsohle.

Die Anmeldung war im Übrigen ein Alptraum. Meldeunterlagen ausfüllen, Hunde beim Tierarzt vorstellen, Kasse - das alles hat in einem schlauchförmigen Gebäude stattgefunden. Der Lärmpegel war kaum auszuhalten und einige Hunde sind, während wir in der Warteschlange für den Tierarzt standen, auf einmal panisch geworden. Hannah war auch kurz davor in Panik auszubrechen, obwohl (hm, oder vielleicht gerade weil) sie lautes Bellen aus ihrer Tierheimzeit durchaus kennt.
Die Organisation hätte hier besser sein können. Den Tierarzt nach Draußen zu verlagern wäre wahrscheinlich schon sehr hilfreich gewesen.

Aber insgesamt war es ein sehr lehrreicher und guter Tag. Und allein die Topläufer einmal live und in Aktion zu sehen war super. Ich habe auch die Erfahrung mitgenommen, dass ich nicht mehr zu einem Wettkampf fahren werde, ohne einen gesicherten und ruhigen Rückzugsort für den Hund garantieren zu können. Nichts geht für Hannah über den gewohnten und geliebten Kofferraum unseres Autos.